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Kritik zu "A Bautiful Lie"


"A Beautiful Lie"
wurde mal eben wieder auf zwei Kontinenten aufgenommen, selbstverständlich mit internationaler Besetzung, wie könnte er es uns anders servieren? Tom Cunningham verarbeitete wieder seine in Europa und den Staaten gesammelten Ideen, Emotionen, Klangfolgen. A perfect Mischung! "A Beautiful Lie" hat viele Elemente von "What if?" im Angebot: die Einflüsse pendeln locker, teils raffiniert miteinander kombiniert, zwischen Jazz, Pop, Rock, Blues, Country, Soul und wer weiß, was noch. Die Scheibe ist bunt, abwechslungsreich gefüttert, mehr als hörbar, sie hat Groove und spiegelt Emotionen zurück, die von Purheit und Ehrlichkeit strotzen. Die textliche Themen-Couleur pendelt sich irgendwo zwischen Herzschmerz und himmelhochjauzend ein. Das musikalische Happy-End bestimmt auf jeden Fall der "Kunde" am anderen Ende der Speakers. Tom beschreibt witzige, traurige, nachdenkliche Momente des Lebens, der Liebe, erzählt von Trennungen, Vorurteilen, Versöhnung, Arbeitslosigkeit, man könnte auch sagen, Tom ist die Vox Populi der Gegenwart.

Der Titelsong "A Beautiful Lie" behandelt die schönen Lügen der Liebe, die so schön sind, dass sie weinen muss. Eine Pop-Ballade der Extraklasse, im Refrain qua Background leicht Backstreet Boys-angehaucht. "Rough mix" ist das einzige Duett auf diesem Album, zusammen gesungen mit Kim Parent, dér Country-Stimme schlechthin, so dass dieser Song auch deutlich Country-geprägt ist, was perfekt zu den Stimmen von Tom und Kim passt, die sich hier so richtig herrlich gemeinsam plattsingen und anschmachten. Die dritte Nummer ist "Meet me halfway", eine tiefgründige Soul-Ballade, mit der Cunningham alles aus sich heraus holt, was geht. Hier geht`s um Trennung und Versöhnung und "Angebote" hierzu. Die Hookline gibt Gänsehaut. "Too busy" ist ein Song mit sprechender E-Gitarre, die hier Sound und Emotionales bestimmt. Der Text handelt von Zuständen, in denen man hinschaut, aber nichts sieht, hinhört, aber nichts hört bzw. versteht, am Leben ist, aber nicht lebt. Vielleicht sollten wir alle einmal etwas genauer hinschauen und hinhören und ergründen, was eigentlich abgeht?!

Absoluten Hit-Charakter hat "Love you again", ein typischer Pop-Song mit Ohrwurm-Refrain und typischer Piano-Gitarren-Begleitung. "Not giving up" ist wieder eine Ballade, die wohl mehr Emotionen nicht hervorrufen kann. Ein Mutmacher. Die Stimme von Cunningham passt sich perfekt an wie ein handgemachter, italienischer Schuh. Dann hätten wir noch Tom Knopfler, eh Mark Cunningham (oder so): "A cautionary tale", die absolute Kracher-Nummer auf diesem Album, E-Gitarren-bestimmt, Knopfler-mäßig gezupft und verdammt rhythmisch eingesetzt. Die Hammond-Orgel im Hintergrund macht die Sache rund, den Song zur Auster des Albums. Naja, nicht nur Knopfler "passiert" dem Zuhörer, man begegnet auch Elvis und Michael Jackson, von denen die Lyrics handeln. Aufgrund dieses Songs sollte man Tom Cunningham den Beinahmen "Minnesänger" verleihen.

"Crying" ist eine Mitschunkel-Komposition, die niemandem mehr aus dem Kopf gehen wird. Einfach gestrickt, aber trotzdem wundervoll gefühlvoll und tiefgängig dargeboten. Ein gewaltig beat-trächtiger Mix aus Hammond-Orgel und E-Gitarre wird in "Repeat Offender" präsentiert, der rockigsten Nummer auf "A Beautiful Lie", leichte Prince-Einflüsse, was den souligen Sound angeht, sind irgendwie nicht ganz zu verleugnen. "She knows" geht in Richtung "Mitschnipps-Nummer", die uns das Nashville-Feeling auf jeden Fall sehr nahe bringt, wenn dafür auch ein wenig zu wenig Country dabei ist. Ein Feuerwerk von einem Refrain. "Whistling in the dark" hat bluesig-jazzige Elemente und einen wahnsinnig flotten Flow, der zu einem reißenden Fluß wird, als es im Refrain zur Sache geht. Das Leben ist eine Reise, und Cunningham macht uns Licht: "Travel Light", ein musikalischer Wegweiser, den uns ein nur mit Konzertklampfe bewaffneter Cunningham auftischt. Wundervoll straight und roh gestrickt. Es wird Tag auf der Autobahn des Lebens.

"A Beautiful Lie" ist eines der schönsten Alben von Tom Cunningham, allerdings nicht das beste, denn das wird "What if?" wohl bei den meisten immer bleiben. Cunningham hat sich musikalisch sehr entwickelt, ist reifer geworden, vielfältiger, bunter, tiefgründiger, experimentierfreudiger, auch war er all dies immer schon irgendwie in recht auffallender Chargierung. "A Beautiful Lie" ist qua Inhalten, Songideen und deren Umsetzungen neu, auch erkennt man nach dem ersten Ton, dass Tom Cunningham die Fäden zieht. "A Beautiful Lie" ist auf jeden Fall ein Werk, welches man sich anschaffen sollte. Man kann beim Abspielen wunderbar chillen, entspannen, Emotionen freien Lauf lassen, mitschnippsen, mitsingen, tanzen, weinen, essen, lachen, lieben, ein qualitativ sehr hochwertiges Alltags-Werk. Durch die Countryeinflüsse ist diese Scheibe selbstverständlich eine der Aufnahmen, die man unweigerlich immer im Handschuhfach seines Autos aufbewahren sollte, um sie auf öden Landstraßen oder nicht enden wollenden Autobahnen immer griffbereit zu haben.

Take me home, Cunningham!

Autor: Tina Hahn